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StartseiteHeilende Wunden: Dokumentation zur Podiumsdiskussion "Offene Wunden: Wie viel Gerechtigkeit verträgt Frieden?"

Kämpfer*innen der <em>Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens</em> (<em>Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia</em>, FARC). Ohne Datum. © AP Graphics Bank

05.09.2016 | Dokumentation

Dokumentation zur Podiumsdiskussion "Offene Wunden: Wie viel Gerechtigkeit verträgt Frieden?"

Info-Broschüre zeichnet Berliner Podiumsgespräch über Kolumbiens neues transitional justice-System nach

Kolumbien erhält nach Inkrafttreten des am 24. August 2016 beschlossenen Friedensvertrages zwischen der Regierung und der Guerilla-Gruppe FARC ein neues Justizwesen, das alle Straftaten, die die Parteien im bewaffneten Konflikt des Landes begangen haben, gerichtlich aufarbeiten soll. Ein Berliner Podiumsgespräch analysierte im Juni 2016 wie weit das Land mit seiner künftigen "Sondergerichtsbarkeit für den Frieden" dem Recht auf Gerechtigkeit der Oper von Menschenrechtsverbrechen nachkommt. Die Broschüre "Heilende Wunden: Mit Gerechtigkeit zu Frieden" zeichnet die Diskussion nun nach und ergänzt sie um viele Hintergrund-Informationen zu Kolumbiens neuem transitional justice-System.

Nach fast vier Jahren mühsamer Verhandlungen haben Kolumbiens Regierung und die "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, FARC) am 24. August 2016 Frieden geschlossen. Teil ihres fertigen Friedensvertrages ist auch ein neues transitional justice-System, auf das sich die beiden Kontrahenten bereits am 15. Dezember 2015 im "Abkommen über Konfliktopfer" geeinigt hatten. Im nun beginnenden Friedensprozess sollen dessen Institutionen den Rechten der Überlebenden des bewaffneten Konfliktes auf Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Nicht-Wiederholung erlittenen Unrechts Genüge tun.

Das Herzstück in Kolumbiens künftigem transitional justice-System bildet die sogenannte "Sondergerichtsbarkeit für den Frieden". Das neu geschaffene Justizwesen soll schwere Straftaten, die die Konfliktparteien im Zusammenhang mit ihren bewaffneten Auseinandersetzungen begangen haben, gerichtlich aufarbeiten. Andere Verfahren der außergerichtlichen Wahrheitsfindung, Wiedergutmachung und Gewaltvorsorge ergänzen das Maßnahmenpaket.

Mit Blick insbesondere auf dieses neue Sonderjustizsystem lotete ein Berliner Podiumsgespräch von Adveniat, Amnesty International, Caritas international und kolko – Menschenrechte für Kolumbien e. V. im Juni 2016 das Recht von Konfliktopfern auf Gerechtigkeit in seinen unterschiedlichen Facetten aus: Wie wichtig ist es überhaupt, einen Konflikt gerichtlich aufzuarbeiten? Welche Verfahren der außergerichtlichen Wahrheitssuche, der Opferentschädigung und Konfliktprävention sind unverzichtbar, um Frieden in einer Gesellschaft zu verankern und langfristig zu schützen? Welche völkerrechtlichen Normen gelten eigentlich für transitional justice? Welche Lehren ließen sich aus vergangenen Friedensprozessen und der dortigen Aufarbeitung schwerster Gewalttaten für den Fall Kolumbien ziehen? Und wie weit kommt Kolumbien dem Recht auf Gerechtigkeit mit seiner neuen Sonderjustiz tatsächlich nach?

Die Info-Broschüre "Heilende Wunden: Mit Gerechtigkeit zu Frieden" zeichnet die Diskussion um diese Fragen nach, bettet sie in den Menschenrechtskontext Kolumbiens ein und ergänzt sie um viele Hintergrund-Informationen zu Kolumbiens künftigen transitional justice-System allgemein sowie seinem neuen Sonderjustizsystem im Besonderen. Die Inhalte rund um das Podiumsgespräch wurden dabei um Informationen zum Abschluss der Friedensverhandlungen zwischen Kolumbiens Regierung und den FARC bis Ende August 2016 aktualisiert.

Für Schnellleser*innen liegt die Dokumentation auch in einer Zusammenfassung vor.



WEITERE AMNESTY INTERNATIONAL-INFORMATIONEN ZUM FRIEDENSPROZESS VON KOLUMBIENS REGIERUNG MIT DEN GUERILLA-GRUPPEN

  • Amnesty International Pressemitteilung zum Abschluss der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung Kolumbiens und der Guerilla-Gruppe FARC in deutscher, englischer und spanischer Sprache (August 2016)
  • Amnesty International Pressemitteilung zur Teileinigung der Regierung Kolumbiens und der Guerilla-Gruppe FARC auf einen Fahrplan für einen endgültigen bilateralen Waffenstillstand und das Ende aller Kampfhandlungen in deutscher, englischer und spanischer Sprache (Juni 2016)
  • von Amnesty International unterstütztes Positionspapier zu den Friedensverhandlungen der Regierung Kolumbiens mit der Guerilla-Gruppe FARC, erstellt von der Deutschen Menschenrechtskoordination Kolumbien (MRKK), einem Netzwerk deutscher Nichtregierungsorganisationen, die zu und/oder in Kolumbien arbeiten (März 2016, die zugehörige Pressemitteilung ist hier zu finden)
  • Amnesty International Stellungnahme vor dem UN-Menschenrechtsrat zur Menschenrechtssituation in Kolumbien mit Schwerpunkt auf den Friedensverhandlungen zwischen der Regierung Kolumbiens und der Guerilla-Gruppe FARC in englischer und spanischer Sprache (Februar 2016)
  • Amnesty International Pressemitteilung zur Teileinigung der Regierung Kolumbiens und der Guerilla-Gruppe FARC, wie sie mit den Opfern von Menschenrechtsverletzungen im bewaffneten Konflikt umgehen wollen, in englischer und spanischer Sprache (September 2015)