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StartseiteBevölkerung lehnt Friedensvertrag von Regierung und FARC in Plebiszit ab: Amnesty fordert, Friedensprojekt muss weitergehen

Nach dem Referendum über den Friedensvertrag zwischen Kolumbiens Regierung und den <em>Revolutionären Streitkräften Kolumbiens</em> (<em>Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia</em>, FARC) am 2. Oktober 2016 werden in Cali die Stimmzettel ausgezählt. Die Wahlbevölkerung hat das Abkommen mit knapper Mehrheit abgelehnt. 2. Oktober 2016. © Luis Robayo, AFP / Getty Images

02.10.2016 | Pressemitteilung

"Nein" zum Friedensvertrag in Volksabstimmung verpasste Chance auf Frieden

Amnesty International fordert: Trotz Ablehnung des Friedensvertrages von Regierung und FARC durch die Bevölkerung muss Friedensprojekt weitergehen

In einer landesweiten Volksabstimmung am 2. Oktober 2016 hat sich eine knappe Mehrheit der Wahlbevölkerung Kolumbiens gegen das Friedesabkommen ausgesprochen, das die Regierung und die Guerilla-Gruppe FARC am 24. August 2016 nach über vierjährigen Verhandlungen geschlossen hatten. Amnesty International fordert, dass Kolumbien trotz dieses Ergebnisses nicht von seinem Weg hin zu Frieden abweichen sollte.

Mit der Ablehnung des Friedensvertrages von Kolumbiens Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, FARC) in einer Volksabstimmung am heutigen Sonntag verpasste das Land eine große Chance, seinen seit über 50 Jahre andauernden leidvollen Krieg endlich hinter sich zu lassen, sagt Amnesty International.

"Der heutige Tag wird in die Geschichte als der Tag eingehen, an dem Kolumbien einem Moment den Rücken kehrte, der das Ende eines über 50-jährigen Konfliktes hätte bedeuten können, der Millionen von Menschenleben zerstört hat", sagt Erika Guevara-Rosas, Amerikas-Direktorin bei Amnesty International.

"Wenn auch mit Fehlern behaftet, zeigte das Friedensabkommen einen konkreten Weg in Richtung Frieden und Gerechtigkeit auf. Die Ungewissheit, die das heutige Votum nun mit sich bringt, könnte Millionen von Kolumbianer_innen – insbesondere diejenigen, die besonders verwundbaren Gruppen wie indigenen, afrokolumbianischen und kleinbäuerlichen Gemeinden angehören – einem größeren Risiko aussetzen, neue Menschenrechtsverletzungen zu erleiden."

"Es ist unbedingt notwendig, dass Kolumbien nicht von diesem Projekt abweicht und dass sich das Land weiter in Richtung des langersehnten Friedens bewegt, den sich Millionen Menschen wünschen", so Guevara-Rosas.



10 ZAHLEN ZU MENSCHENRECHTEN IN KOLUMBIEN

  • 7,9 Millionen – Opfer des internen bewaffneten Konfliktes insgesamt; die Hälfte davon sind Frauen. (Angaben nach der Opfer-Behörde Unidad para la Atención y Reparación Integral a las Víctimas, UARIV, von September 2016)
  • 6,9 Millionen – Vertreibungsopfer. (UARIV)
  • 267.000 – Opfer von Tötungen im Zusammenhang mit dem internen bewaffneten Konflikt, die Mehrheit davon Zivilist*innen. (UARIV)
  • 4.392 – Opfer mutmaßlicher außergerichtlicher Hinrichtungen, die Kolumbiens Generalstaatsanwaltschaft erfasst hat. (Angabe nach dem Kolumbien-Büro des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, UNHCHR, von März 2016)
  • 46.386 – Verschwundene. (UARIV)
  • 29.622 – Entführte. (UARIV)
  • 11.062 – Opfer von Antipersonenminen und Blindgängern. (UARIV)
  • 8.022 – Kindersoldat*innen, die paramilitärische und Guerilla-Gruppen zwangsrekrutiert haben. (UARIV)
  • 63 – Menschenrechtsverteidiger*innen, einschließlich Sprecher*innen indigener, afrokolumbianischer und kleinbäuerlicher Gemeinden, die 2015 ermordet wurden; in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 lag diese Zahl bereits wieder bei 52. (Angaben nach dem Netzwerk kolumbianischer Menschenrechtsorganisationen Programa Somos Defensores)
  • 20 – Gewerkschafter*innen, die 2015 ermordet wurden. (Angabe nach der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation Escuela Nacional Sindical, ENS)



Die Pressemitteilung im Original findet sich hier in englischer und hier in spanischer Sprache.