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StartseiteFriedensnobelpreis an Kolumbiens Präsident Santos vergeben: Amnesty hofft auf Schub für Friedensvertrag mit Gerechtigkeit

Kolumbiens Präsident Santos Calderón mit seiner Frau María Clemencia Rodríguez de Santos, nachdem sie am 2. Oktober 2016 in Bogotá an der Volksabstimmung über den Friedensvertrag zwischen der Regierung und den <em>Revolutionären Streitkräften Kolumbiens</em> (<em>Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia</em>, FARC) teilgenommen hatten. Die Wahlbevölkerung lehnte das Abkommen mit knapper Mehrheit ab. 2. Oktober 2016. © Getty Images

07.10.2016 | Presseerklärung

Kolumbiens Präsident Santos erhält Friedensnobelpreis

Preisvergabe zeigt, dass Kolumbien Hoffnung auf Frieden mit Gerechtigkeit nicht den Rücken kehren darf: Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International

Wie das Norwegische Nobelkomitee am 7. Oktober 2016 bekannt gab, geht der diesjährige Friedensnobelpreis an Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos Calderón "für sein entschlossenes Bemühen den über 50-jährigen Bürgerkrieg im Land zu beenden". Die Preisvergabe unterstreicht die Erwartung, dass Kolumbien seine Suche nach einem Frieden mit Gerechtigkeit nicht aufgeben darf, sagt dazu Amnesty International.

"Millionen von Kolumbianerinnen und Kolumbianern fordern weiterhin Frieden und Gerechtigkeit. Die heutige Ankündigung des Nobelpreiskomitees würdigt nicht nur das Engagement von Präsident Santos und seiner Regierung, sondern auch das von vielen anderen Menschen, die inner- und außerhalb Kolumbiens für einen Weg zu Frieden mit Gerechtigkeit kämpfen", sagt Salil Shetty, internationaler Generalsekretär von Amnesty International.

"Wir hoffen, dass die heutige Nachricht alle Parteien ermutigen wird, ihren Einsatz für ein endgültiges Friedensabkommen fortzusetzen, das dem Recht der Opfer auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung Rechnung trägt und all den Menschenrechtsverletzungen ein Ende setzt, die den bewaffneten Konflikt bis heute kennzeichnen."

"Nach wie vor gehören Menschenrechtsverstöße zum Alltag vieler Kolumbianerinnen und Kolumbianer und haben gerade für marginale gesellschaftliche Gruppen gravierende Folgen. Besonders indigene, afrokolumbianische und kleinbäuerliche Gemeinden sowie diejenigen, die wie Gemeindesprecher_innen, Gewerkschafter_innen und Landrechtsaktivist_innen Menschenrechte verteidigen, sind von solchen Übergriffen überdurchschnittlich oft betroffen. Nur wenn es in enger Abstimmung mit denjenigen Gruppen umgesetzt wird, die jahrzehntelang dem blutigen Konflikt in Kolumbien am Stärksten ausgesetzt waren, kann ein Friedensabkommen wirklich langfristige Wirkung entfalten", fordert Shetty.

"Nicht zuletzt sollte der Friedensnobelpreis auch dem Bemühen neuen Schub verleihen, den Vergehen ein Ende zu setzen, die im anderen, nach wie vor anhaltenden Konflikt mit der Guerilla-Gruppe ELN begangen werden. Nicht minder sollte er eine Aufforderung an die Behörden in Kolumbien sein, wirksamere Schritte zu ergreifen, um die Verbrechen paramilitärischer Gruppen zu beenden."



10 ZAHLEN ZU MENSCHENRECHTEN IN KOLUMBIEN

  • 7,9 Millionen – Opfer des internen bewaffneten Konfliktes insgesamt; die Hälfte davon sind Frauen. (Angaben nach der Opfer-Behörde Unidad para la Atención y Reparación Integral a las Víctimas, UARIV, von September 2016)
  • 6,9 Millionen – Vertreibungsopfer. (UARIV)
  • 267.000 – Opfer von Tötungen im Zusammenhang mit dem internen bewaffneten Konflikt, die Mehrheit davon Zivilist*innen. (UARIV)
  • 4.392 – Opfer mutmaßlicher außergerichtlicher Hinrichtungen, die Kolumbiens Generalstaatsanwaltschaft erfasst hat. (Angabe nach dem Kolumbien-Büro des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, UNHCHR, von März 2016)
  • 46.386 – Verschwundene. (UARIV)
  • 29.622 – Entführte. (UARIV)
  • 11.062 – Opfer von Antipersonenminen und Blindgängern. (UARIV)
  • 8.022 – Kindersoldat*innen, die paramilitärische und Guerilla-Gruppen zwangsrekrutiert haben. (UARIV)
  • 63 – Menschenrechtsverteidiger*innen, einschließlich Sprecher*innen indigener, afrokolumbianischer und kleinbäuerlicher Gemeinden, die 2015 ermordet wurden; in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 lag diese Zahl bereits wieder bei 52. (Angaben nach dem Netzwerk kolumbianischer Menschenrechtsorganisationen Programa Somos Defensores)
  • 20 – Gewerkschafter*innen, die 2015 ermordet wurden. (Angabe nach der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation Escuela Nacional Sindical, ENS)



Die Presseerklärung im Original findet sich hier in englischer und hier in spanischer Sprache.