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Das Konfliktverhalten der bewaffneten Oppositionsgruppen FARC und ELN

Auch im letzten Jahr waren neben den paramilitärischen Gruppierungen die beiden bewaffneten Oppositionsgruppen „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) und die „Nationale Befreiungsarmee“ (ELN) für schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verantwortlich, darunter Geiselnahmen und Tötungen von ZivilistInnen.

Bewaffnete Oppositionsgruppen, vornehmlich die FARC, waren für etwa 200 und damit für die meisten der im Kontext des bewaffneten Konflikts verübten Entführungen verantwortlich. So fand man unter anderem am 9. Oktober 2006 die Leichen von vier KleinbauerInnen, die ELN-Mitglieder im Verwaltungsbezirk Fortul des Departements Arauca entführt hatten. Auch die FARC hält weiterhin eine Anzahl prominenter Gefangener.

Zwischen März und August 2006 sollen FARC und ELN im Departement Arauca mehr als 20 ZivilistInnen getötet haben. FARC-Einheiten setzten zudem bei Anschlägen unverhältnismäßig und wahllos Gewalt ein, wodurch zahlreiche ZivilistInnen ums Leben kamen. Beispielsweise verübten am 25. Februar 2006 FARC-Kämpfer dem Vernehmen nach im Departement Caquetá einen Anschlag auf einen Bus, bei dem zwei Kinder und sieben weitere Zivilpersonen starben.

FARC und ELN rekrutierten weiterhin Minderjährige als KämpferInnen für ihre Truppen.

Durch von Guerillagruppen gelegte Landminen wurden nach wie vor Zivilpersonen getötet und verstümmelt. So kamen am 2. August 2006 durch mutmaßlich von der FARC gelegte Landminen im Verwaltungsbezirk La Macarena des Departements Meta fünf Polizisten und sechs ZivilistInnen, die für ein Regierungsprogramm zur Eindämmung des Koka-Anbaus arbeiteten, ums Leben.

MenschenrechtsverteidigerInnen und andere, die sich für soziale Belange und die Rechte ihrer Gemeinschaften einsetzen, waren in Kolumbien nach wie vor gefährdet. Die größte Gefahr ging zwar von paramilitärischen Gruppierungen und den Sicherheitskräften aus, aber auch Guerillaeinheiten waren für Menschenrechtsverstöße verantwortlich. Im Berichtsjahr 2006 wurden in Kolumbien allein mehr als 70 GewerkschafterInnen getötet. Unter anderem sollen im September FARC-Mitglieder Fabián Trellez Moreno, einen Gemeindesprecher und Delegierten des Kommunalrats von Boca de Bebará im Verwaltungsbezirk Medio Atrato des Departements Chocó, gefoltert und getötet haben.

Im Jahr 2008 sorgten die Freilassungen einiger hochrangiger Geiseln unter Beteiligung des venzolanischen Staatspräsidenten Hugo Chavez und die Tötung eines ranghohen Kommandaten der FARC und dadurch ausgelöste Spannungen für internationales Aufsehen.

Amnesty International hat wiederholt an die bewaffnete Oppositionsgruppen FARC und ELN appelliert, die im Konflikt verschleppten ZivilistInnen sofort freizulassen und dafür Sorge zu tragen, dass Personen während ihrer Gefangenschaft menschenwürdig behandelt werden und ihnen kein Leid zugefügt wird. Geiselnahme stellt einen Bruch des humanitären Völkerrechts dar. Amnesty International fordert die bewaffneten Oppositionsgruppen auf, die fundamentalen Rechte der ZivilistInnen zu achten, insbesondere das Recht nicht in den bewaffneten Konflikt hineingezogen zu werden.

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